Rückblick: Online-Veranstaltung zu Wissenschaftsskepsis am 23. Mai 2022

Grafik eines Kopfes mit Gehirn
Vier Expertinnen und Experten diskutierten verschiedene Aspekte von Wissenschaftsskepsis und mögliche Ansätze, um diese zu vermindern.

Unter dem Titel „Wenn Vertrauen fehlt. (Neue) Herausforderungen für Wissenschaftskommunikation im Kontext anhaltender Wissenschaftsskepsis“ fand am 23. Mai 2022 die erste große Veranstaltung des OeAD-Zentrums für Citizen Science in diesem Jahr statt. Sie ist Teil der OeAD-Kampagne #YoungScienceRocks „Wissenschaft (er)leben – Zukunft gestalten“, die von BMBWF und OeAD gemeinsam initiiert wurde. Ziel ist es, gemeinsam mit Forschenden und Lehrpersonen zahlreiche Aktionen gegen die vorherrschende Wissenschaftsskepsis zu setzen.

Hintergrund

Die hohe Wissenschaftsskepsis in Österreich beschäftigt derzeit Akteurinnen und Akteure aus Politik, Medien, Wissenschaft und Bildung. 2021 bestätigte eine Eurobarometer-Umfrage erneut die im europäischen Vergleich auffallend negative Wahrnehmung der Österreicherinnen und Österreicher von Wissenschaft und Technologie. Außerdem attestiert sie Österreich einen Aufholbedarf im Bereich Wissenschaftskommunikation. In der europaweiten Umfrage antwortete mehr als die Hälfte der befragten Bürgerinnen und Bürger, dass Wissenschaft für sie keine Rolle in ihrem Alltag spielt und mindestens genauso viele hielten Wissenschaft für zu kompliziert.

Online-Veranstaltung: Keynote und Podiumsdiskussion

Zu Beginn der Veranstaltung reflektierte die Wissenschaftsforscherin und Vizerektorin der Universität Klagenfurt Martina Merz in ihrer Keynote „Zwischen Faszination und Skepsis: Wissenschaft in der öffentlichen Wahrnehmung“ das variable Verhältnis von Gesellschaft und Wissenschaft. Anhand ausgesuchter Beispiele aus der Vergangenheit erzählte sie, dass im 18. Jahrhundert von einer „öffentlichen Wissenschaft“ gesprochen werden kann. Die Öffentlichkeit setzte sich zu dieser Zeit z.B. mit dem Thema der Elektrizität - einer damals neuen Entdeckung - in Wirtshäusern, Jahrmärkten, Schulen, Gelehrtenstuben, Theatern und anderen Orten auseinander. Im Verlauf der Geschichte sieht man in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine wachsende Kluft zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. Das „Defizitmodell der Wissenschaftskommunikation“ wird schlagend. Weiters analysierte Martina Merz in ihrer Keynote auch die aktuelle Eurobarometer-Umfrage und beleuchtete deren Ergebnisse kritisch. Ihr Fazit: Die Umfrage, zumindest dessen Interpretation ist mit Vorsicht zu genießen. Ihrer Meinung nach stellen sich nun eine Reihe von Fragen wie: „Was lässt sich lernen?“, „Was spricht für Skepsis?“ und „Womit korreliert sie?“.

Im Anschluss diskutierte Martina Merz mit dem Geschichtsforscher Claus Oberhauser (Pädagogische Hochschule Tirol/Universität Innsbruck), der Museumsdirektorin Katrin Vohland (Naturhistorisches Museum Wien) und dem freiberuflichen Wissenschaftskommunikator und Science Buster Florian Freistetter diverse Aspekte der Wissenschaftsskepsis: von Verschwörungsdenken über die Rolle der Medien, der Anerkennung von Forscherinnen und Forschern als Wissenschaftsvermittler/innen bis hin zu Ansätzen, wie das Wissenschaftsverständnis gestärkt werden kann.

Die Präsentationsfolien der Keynote sind unter "Downloads" abrufbar.

Die Aufzeichnung der Veranstaltung ist bis Ende des Jahres auf YouTube verfügbar. Link: https://www.youtube.com/watch?v=zZQTEEeoYnA