Citizen Science

Bei Citizen Science (CS) dreht sich alles um Forschung. Bürgerinnen und Bürger können durch ihre Mitarbeit und Zeit, ihre Neugierde sowie ihr spezielles Know-How zu neuem wissenschaftlichem Wissen beitragen. Und ganz nebenbei erhalten sie die Möglichkeit, sich mit weiteren Interessierten zu vernetzen und Neues aus der Welt der Forschung zu lernen.

Wie alles begann

Citizen Science ist keine Erfindung des 21. Jahrhunderts. Die Unterscheidung zwischen Amateuren und Forschenden ergab sich erst durch die Institutionalisierung der Wissenschaft, die sich im 19. Jahrhundert vollzogen hat. Davor gingen oftmals Einzelpersonen mit ausreichend Zeit und finanziellen Mitteln einer wissenschaftlichen Betätigung nach. Die bekanntesten unter ihnen waren u.a. Charles Darwin (1809-1882) – Verfasser der Evolutionstheorie –, Benjamin Franklin (1706-1790) – Politiker und Erfinder des Blitzableiters – oder Gregor Mendel (1822-1884), Mönch und Begründer der klassischen Genetik. Es gab aber auch Bäuerinnen und Bauern, Jägerinnen und Jäger oder andere Naturinteressierten, die Daten über die Natur sammelten. Zum Beispiel werden in China seit 3.500 Jahren Ausbrüche von Heuschreckenplagen von Bürgerinnen und Bürgern sowie Beamtinnen und Beamten aufgezeichnet.

Auf dem Weg zu einer Definition

Bedingt durch das Internet und die vielfältigen Möglichkeiten, die moderne Technologien wie Smartphones und das GPS bieten, brach für Citizen Science Ende des 20. Jahrhunderts ein neues Zeitalter an. Freiwillige können jetzt mit wenig Aufwand zu unterschiedlichen Forschungsdisziplinen beitragen. Die Teilnahme-Möglichkeiten sind vielfältig: Interessierte können die Rechenleistung ihres Computers zur Verfügung stellen, mit Sensoren Umweltparameter messen, Fotos von Tieren und Pflanzen analysieren, neue Forschungsfragen formulieren, durch Spiele neue wissenschaftliche Lösungen anbieten und vieles mehr.

Das Citizen-Science-Konzept entwickelt sich stetig weiter. Allerdings gibt es bis heute keine einheitliche CS-Definition. Eine Orientierungshilfe bieten die 10 Citizen-Science-Prinzipien der European Citizen Science Association (2015). Diese legen wichtige Voraussetzungen für eine gute CS-Praxis fest. Die wichtigsten Kernaussagen:

  1. CS-Projekte binden Bürgerinnen und Bürger aktiv in wissenschaftliche Unternehmungen ein, die zu neuem Wissen führen.
  2. CS-Projekte führen zu echten wissenschaftlichen Ergebnissen.
  3. Alle Teilnehmenden profitieren von der Teilnahme, sowohl die institutionell beschäftigten Forschenden als auch die ehrenamtlichen Beteiligten.
  4. Wenn sie möchten, können sich Citizen Scientists an verschiedenen Phasen im Prozess beteiligen.
  5. Citizen Scientists erhalten Feedback vom Projekt.
  6. Citizen Science ist ein Forschungsansatz, der wie andere auch Limitationen und Vorannahmen hat, die berücksichtigt und kontrolliert werden müssen.
  7. Die Daten und Metadaten aus CS-Projekten werden öffentlich zugänglich gemacht und die Ergebnisse soweit möglich in einem Open-Access-Format publiziert.
  8. Citizen Scientists wird Dank und Wertschätzung in den Projektergebnissen und –publikationen ausgesprochen.
  9. Die Evaluierung von CS-Programmen erfolgt auf Grundlage der wissenschaftlichen Ergebnisse, der Qualität der Daten, des Mehrwerts für die Beteiligten sowie der breiteren gesellschaftlichen Wirkung.
  10. Die Projektverantwortlichen berücksichtigen bei sämtlichen Aktivitäten legale und ethische Aspekte, die Urheberrechte, Rechte des geistigen Eigentums, Datenprotokolle, Vertraulichkeit, Verantwortlichkeiten oder Auswirkungen auf die Umwelt betreffen.