Glossar

Holzbuchstaben © Pixabay

Dieser Glossar gibt einen Überblick über relevante Begriffe rund um Citizen Science.

Die Auflistung erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit und wird laufend erweitert. Gerne nehmen wir auch weitere Vorschläge auf. Bitte senden Sie diese an citizenscience@oead.at.

Allianz für Responsible Science

Die Allianz für Responsible Science vereinigt Institutionen aus Wissenschaft, Forschung, Bildung und Praxis, die sich dazu bekannt haben, die im Memorandum festgelegten Ziele zu verfolgen.

Biohacking

Biohacking ist eine bestimmte Form von Do-it-yourself-Science, die nichts mit dem Hacken von Computern zu tun hat. Biohacker sind Personen mit großem Interesse für Biologie und biologische Prozesse, die außerhalb von Forschungseinrichtungen mit wissenschaftlichen Methoden experimentieren und forschen. Funktionale Labore werden im eigenen Haushalt oder in sogenannten Hackerspaces eingerichtet, um sich mit Biotechnologie auseinanderzusetzen und dadurch neue Perspektiven und Nutzungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Es gibt ein großes globales Netzwerk an Biohackern, die sich auch in kleinen lokalen Gruppen treffen und austauschen. Die größten Plattformen sind diybio.org und sphere.diybio.org.

Biohacking ist aber nicht unumstritten. Vor allem Versuche mit experimentellen Stoffen am und mit dem eigenen Körper oder die genetische Veränderung von z.B. krankheitserregenden Bakterien werden kritisch gesehen.

Citizen Science

Laut dem „Grünbuch. Citizen Science Strategie 2020 für Deutschland“ (GEWISS, 2016) wird Citizen Science wie folgt definiert: „Citizen Science beschreibt die Beteiligung von Personen an wissenschaftlichen Prozessen, die nicht in diesem Wissenschaftsbereich institutionell gebunden sind. Dabei kann die Beteiligung in der kurzzeitigen Erhebung von Daten bis hin zu einem intensiven Einsatz in der Freizeit bestehen, um sich gemeinsam mit Wissenschaftlerinnen bzw. Wissenschaftlern und/oder anderen Ehrenamtlichen in ein Forschungsthema zu vertiefen. Obwohl viele ehrenamtliche Forscherinnen und Forscher eine akademische Ausbildung aufweisen, ist dies keine Voraussetzung für die Teilnahme an Forschungsprojekten. Wichtig ist allerdings die Einhaltung wissenschaftlicher Standards, wozu vor allem Transparenz im Hinblick auf die Methodik der Datenerhebung und die öffentliche Diskussion der Ergebnisse gehören“.

Citizen Science Award

Der Citizen Science Award ist ein Forschungswettbewerb, der jährlich Bürgerinnen und Bürger aller Altersklassen zum Mitforschen an ausgewählten Citizen-Science-Projekten einlädt.

Co-Creation

Co-Creation oder Co-Design bezeichnet das durch Forschende und Bürgerinnen und Bürger gemeinsame Entwickeln und Durchführen von Forschungsprojekten. Beginnend von der Forschungsfrage über die Wahl der Methodik bis hin zum Sammeln, Analysieren und Interpretieren der Daten, wird jeder Schritt des Forschungsprozesses kollaborativ erarbeitet.

Crowdfunding

Mit Hilfe von Crowdfunding können Freiwillige mit einem finanziellen Beitrag wissenschaftliche Projekte bei ihrer Entwicklung bzw. Durchführung unterstützen. Diese Art der Finanzierung wird auch in anderen Bereichen angewendet z.B. in der Musik, im Film, in der Literatur oder in der IT. Eine erfolgreiche Plattform, auf der Forschungsprojekte eingereicht werden können, ist z.B. Startnext.

Crowdsourcing

Crowdsourcing bezeichnet eine Methode, bei der interne Teilaufgaben oder Probleme an interessierte Personen ausgelagert werden. Damit soll die Kreativität/das Wissen der „Crowd“ bzw. die „Weisheit der Vielen“ („wisdom oft the crowd“) genutzt werden, um schnelle und bessere Lösungen zu finden. Crowdsourcing kann in Citizen Science und Open Innovation genutzt werden. Ein Beispiel für eine Plattform, die die Internetcommunity einlädt Lösungsvorschläge einzureichen, ist Innocentive.

Community Science

Unter Community Science werden Forschungsprojekte verstanden, die von Bürgerinnen und Bürgern initiiert werden, um z. B. die Wasser- oder Luftqualität der Wohnumgebung mithilfe wissenschaftlicher Methoden zu überprüfen. In London starteten z. B. Einheimische das bereits abgeschlossene Projekt Royal Dock Noise Mapping, um Messungen des Lärmpegels in ihrer Wohnumgebung durchzuführen. Hintergrund war, dass diese aufgrund der Nähe zum Flughafen sehr besorgt über den zunehmenden Flugverkehr und den Lärm waren und Forschende um Hilfe baten.

DIY-Science

Do-it-yourself-Science (DIY-Science) bezieht sich auf diverse Grassroot-Aktivitäten, die in der Bottom-Up-Bewegung eingebettet sind. Dabei handelt es sich um Projekte, die wissenschaftliche Methoden außerhalb traditioneller Forschungseinrichtungen bzw. Universitäten anwenden und etwa von Vereinen, zivilgesellschaftlichen Organisationen bzw. Einzelpersonen vorangetrieben werden. In diesem Zusammenhang wird oft Biohacking oder DIY-Bio genannt. Beispiele für solche Grassroot-Aktivitäten sind etwa das Manchester Digital Laboratory, Waag oder das Open bioLab Graz Austria (OLGA). Ein interessantes Interview mit der Biologin, Science-Hackerin und Community-Managerin Lucy Patterson gibt mehr Einblick in diese Bewegung.

OANA – Open Science Network Austria

OANA ist ein Thinktank zum Thema Open Science, mit einer offenen Struktur und ohne Rechtsform. Ihre Ziele sind Austausch von Ideen, Koordination und Vernetzung von Initiativen und Erarbeitung von Empfehlungen zu Open Science.

Open Innovation

Open Innovation – die Öffnung starrer Prozesse für Input von außen – steht für Innovation und Erkenntnisgewinn. Im Gegensatz zu Citizen Science stellt Open Innovation jedoch nicht die Bürgerinnen und Bürger sondern die Prozesse in den Mittelpunkt. Ursprünglich stammt der Begriff aus dem Unternehmensbereich und wurde besonders von Henry Chesbrough verbreitet.

Open Innovation Strategie

Nach einem einjährigen, ergebnisoffenen Prozess unter Einbindung der Bevölkerung und diverser Stakeholder wurde im Sommer 2016 eine Open Innovation Strategie für Österreich vorgestellt. Diese zeigt eine Vision für 2025 auf und nennt drei zentrale Handlungsfelder sowie 14 konkrete Maßnahmen, wie z.B. die Errichtung von offenen Innovations- und Experimentierräumen oder die Verankerung von Anreizmechanismen für Forschungspartnerschaften mit unüblichen Akteurinnen und Akteuren in der wissenschaftlichen Forschungsförderung zur Stärkung von Open Innovation.

Open Access

Open Access meint den freien, unentgeltlichen Zugang zu digitalen wissenschaftlichen Inhalten und Informationen im Internet, aber auch den freien Zugang zu wissenschaftlicher Literatur und den Daten.

Open Science

Open Science wird häufig als Überbegriff definiert, der verschiedene Konzepte umfasst, die darauf abzielen, die Barrieren für die gemeinsame Nutzung jeglicher Art von Output, Ressourcen, Methoden oder Werkzeugen in jeder Phase des Forschungsprozesses zu beseitigen. Open Access von Publikationen, Open Research Data, Open Source Software, Open Collaboration, Open Peer Review, Open Notebooks, Open Education Ressources, Open Monographien, Citizen Science oder Research Crowdfunding fallen somit in Open Science (Gema Bueno de la Fuente, n.d.).

Responsible Science

Responsible Science, im EU-Kontext auch als „Responsible Research and Innovation“ (RRI) bezeichnet, bindet die Zivilgesellschaft aktiv in Forschungs- und Innovationsprozesse ein, um aktuelle Herausforderungen effektiver und im Einklang mit den Werten, Erwartungen und Bedürfnissen der Gesellschaft bewältigen zu können. Auch Österreich hat Responsible Science als wichtiges Element in den 2015 veröffentlichten Aktionsplan für einen wettbewerbsfähigen Forschungsraum des Bundesministeriums für Bildung, Wissenschaft und Forschung (BMBWF) aufgenommen. Einer der ersten daraus abgeleiteten Schritte war die Gründung der Allianz für Responsible Science, der sich bereits zahlreiche Institutionen aus Wissenschaft, Forschung, Bildung und Praxis angeschlossen haben.

Sparkling Science

Sparkling Science war ein österreichisches Forschungsförderprogramm, in dem Schülerinnen und Schüler unmittelbar in aktuelle Forschung eingebunden waren. Zwischen 2007 und 2019 forschten über 100.000 Kinder und Jugendlichen Seite an Seite mit rund 4.300 Forschenden sowie Studierenden in fast 300 Forschungsprojekten.

Storytelling

Storytelling ist eine Erzählmethode, die dazu dient konkrete Erfahrungen in Form von Geschichten mit Charakteren und einer klaren Handlung zu erzählen. Besonders bei einer heterogenen Zuhörerschaft oder Community eignet sich Storytelling, um z. B. das Thema Citizen Science verständlich und nachvollziehbar zu vermitteln.

Volunteered Computing

Bei Volunteered Computing stellen Personen freie Prozessorleistung ihrer Computer, Laptops oder Smartphones der Forschung zur Verfügung. Diese kann mithilfe einer speziellen Software (z.B. Boinc) von wissenschaftlichen Projekten, die einen großen Rechenbedarf haben, genutzt werden.

Young-Science-Zentrum

Das vom BMBWF beim OeAD eingerichtete Young-Science-Zentrum bietet allen österreichischen Schulen und Forschungseinrichtungen vielfältige Möglichkeiten, miteinander in Kontakt zu treten und zusammenzuarbeiten. Durch die Bündelung von Angeboten, Projekten und Kontakten werden Synergieeffekte zwischen Wissenschaft und Schulen geschaffen. Zusätzlich wird ein aktives Netzwerk von Bildungs- und Forschungseinrichtungen aufgebaut. Zentrale Drehscheibe des Zentrums ist die Internetplattform www.youngscience.at.

Zentrum für Citizen Science

Das vom BMBWF beim OeAD eingerichtete Zentrum für Citizen Science fungiert als Informations- und Servicestelle für Forschende, Bürgerinnen und Bürger sowie Expertinnen und Experten unterschiedlicher Fachgebiete und vernetzt die interessierte Community innerhalb Österreichs und darüber hinaus.